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Juli 11, 2008

Überarbeiten! Und nochmals überarbeiten! Oder warum Kishon seine Bücher mit Bleistiften schrieb

Einige Seminarteilnehmer erwarten von mir eine Zauberformel: die Formel, wie man schnell gute Texte schreibt. Diese Formel gibt es nicht!

Die Regel ist: Schreiben ist Arbeit. Ein Text wird in der Regel erst gut, wenn Sie ihn überarbeiten. Ephraim Kishon schreibt:

“Mein Schreibtisch schaut überall gleich aus, an jedem Ort der Welt. Ein Dutzend Radiergummis und ungefähr hundertzwanzig Schreibstifte, die Hälfte davon sind Bleistifte, mit denen ich meine Bücher schreibe. Ein Journalist nannte meine Manuskripte Radierungen, weil ich darin fortwährend korrigiere.” (Ephraim Kishon: Allerbeste Geschichten, München 2005, S. 16)

Stil hat etwas mit Überarbeiten zu tun

Unser Wort “Stil” kommt vom lateinischen “stilus”. Damit bezeichnete man den Griffel, mit dem die Buchstaben in Wachstafeln geritzt wurden.

Der Sprachwissenschaftler Hans-Martin Gauger, mit dem ich mich heute in Freiburg getroffen habe, sagte mir: “Das Entscheidende am Stilus ist das hintere Ende.” Denn damit konnte man das Geschriebene wieder verwischen und / oder überarbeiten. Stil also als Inbegriff des Korrigierens und Überarbeitens.

Der große Vorteil des Schreibens

Das Schreiben bietet gegenüber dem Sprechen einen großen Vorteil: Beim Sprechen wird es immer offenbar, wenn sich der Sprecher korrigiert. Denn was gesagt ist, ist gesagt. Dem geschriebenen Wort hingegen sieht man es nicht an, wenn es korrigiert wurde. Gauger hat dafür einen tollen Begriff geprägt:

“Korrekturverwischungsmöglichkeit”

Ein furchtbares Substantiv – aber als kontrollierter Regelverstoß sympathisch!

Und schön, dass es die Korrekturverwischungsmöglichkeit gibt: So konnte ich diesen Beitrag mehrfach überarbeiten – und Sie haben nichts gemerkt!

Lese-Tipps:

Hans-Martin Gauger: Was wir sagen, wenn wir reden
Hans-Martin Gauger: Das ist nicht bei uns Ouzo. Sprachwitze

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