Blog der unique relations GmbH

Agentur für Kommunikation mit Geist, Witz und Salomo

März 12, 2009

Der Konjunktiv der Höflichkeit und warum man ihn beim Schreiben besser vermeidet

Meine Bäckerin verwendet oft den Konjunktiv II. Damit will sie besonders höflich sein – und das funktioniert auch. Wenn Sie Ihre Brötchen allerdings mit dem Schreiben verdienen, sollten Sie auf den Konjunktiv der Höflichkeit lieber verzichten. Denn er wirkt unverbindlich, umständlich und undynamisch.

An anderer Stelle wurde bereits erläutert, dass der Konjunktiv II in der Regel nicht-wirkliche, irreale Ereignisse und Tatsachen bezeichnet. Außerdem wird der Irrealis aber auch in höflichen Bitten, Aufforderungen und Fragen verwendet – häufig mit Modalverben wie könnte, würde oder wäre.

Konjunktiv II im Alltag: höflich, vorsichtig, unaufdringlich

Ein typisches Gespräch mit meiner Bäckerin läuft in etwa so ab:

Ich: “Vier Vollkorn-Brötchen bitte.”
Sie: “Gern. Dürfte ich Ihnen noch etwas anbieten? Ich könnte Ihnen den Apfelkuchen empfehlen, der ist ganz frisch.”
Ich: “Nein, danke. Wie viel macht das?”
Sie: “Das wären genau drei Euro. Hätten Sie es vielleicht klein?”

Der Konjunktiv II drückt in diesen Aussagen der Bäckerin keinen irrealen Sachverhalt aus. Sie KANN mir den Apfelkuchen empfehlen. Und es SIND drei Euro, die ich bezahlen muss.

Auch ihren Fragen liegt kein irrealer Wunsch zugrunde. Die Bäckerin weiß nicht, ob ich noch etwas haben möchte und ob ich Kleingeld dabei habe. Sie hätte also auch fragen können: “Darf ich Ihnen noch etwas anbieten?” Und: “Haben Sie es vielleicht klein?”

In beiden Fällen markiert der Konjunktiv II also ihre – ganz reale – Höflichkeit. Das ist im Alltag auch ok – gerade jetzt, wo Berlin freundlicher werden soll.

Konjunktiv II beim Schreiben: unverbindlich, umständlich, undynamisch

Was umgangssprachlich funktioniert, taugt für den Schreiber aber noch lange nicht. Denn beim Schreiben offenbart sich die dunkle Seite des Konjunktivs II: er ist unverbindlich, umständlich und undynamisch.

Beispiel: “Ich würde Ihnen vorschlagen, eine Anzeige zu schalten.”

Der Konjunktiv II sorgt hier beim Leser implizit für Verwirrung: Warum tut es der Schreiber dann nicht? Im Vergleich wirkt der Indikativ zwingender, dynamischer und verbindlicher:

“Ich schlage Ihnen vor, eine Anzeige zu schalten.”
Oder, noch besser: “Mein Vorschlag: Schalten Sie eine Anzeige.”

Weitere Beispiele:

Schlecht: “Wir würden uns melden, wenn sich etwas ergibt.”
Besser: “Wir melden uns, wenn sich etwas ergibt.”

Schlecht: “Wir könnten vielleicht mal essen gehen.”
Besser: “Lassen Sie uns mal essen gehen.”

Mir wurde der Konjunktiv der Höflichkeit übrigens auf die harte Tour abgewöhnt – durch Gespräche mit meinem Vater:

Ich: “Könntest du mir bitte das Salz reichen?”
Er: “Könnte ich.”
Ich: “Würdest du das dann auch bitte tun?”
Er: “Würde ich.”
(Ich: “Aarrrgghh….”)

Erzieherisch durchaus zweifelhaft – aber einprägsam. Mit solchen Fragen überprüfe ich heute noch meine Texte.

Indikativ: die dynamische Alternative

Im Übrigen gelten diese Regeln nicht nur für das Schreiben. Gerade im Gespräch mit Kunden muss ein Redner Selbstbewusstsein und Kompetenz ausstrahlen. Vergleichen Sie in dieser Hinsicht folgende Mini-Präsentationen:

A. “Dürfte ich Sie einen Moment um Ihre Aufmerksamkeit bitten? Ich würde Folgendes vorschlagen: Wir könnten eine Plakat-Kampagne starten. Eine andere Möglichkeit wäre, Flyer zu verteilen.”

B. “Ich bitte Sie um Ihre Aufmerksamkeit! Das sind meine Vorschläge: Alternative 1: Wir starten eine Plakat-Kampagne. Alternative 2: Wir verteilen Flyer.”

Na? Genau!

Zusammenfassend ließe lässt sich also festhalten: den Konjunktiv II vermeiden, wenn der Sachverhalt nicht irreal ist, sondern wirklich. Das gilt für das Schreiben wie für das Sprechen.

Als Ausnahme möchte ich hier ausdrücklich den Alltagsplausch gelten lassen – wie den mit meiner Bäckerin. Die ruft mir beim Herausgehen noch hinterher: “Dürfte ich Sie bitten, die Tür hinter sich zu schließen?” Dürften Sie, denke ich. Aber nur Sie.

4 Comment(s)

  1. Rainer Pollmann | Mrz 19, 2009 | Reply

    Lieber Herr Lengen,
    “Klasse” der Beitrag zum Konjunktiv II. Ich gratuliere!
    Herzliche Grüße aus Augsburg
    Rainer Pollmann

  2. Andreas Lehmann | Mrz 20, 2009 | Reply

    Hallo Herr Lengen,

    1. zur Organisation:
    Nun bin ich bei zwei bloqs von Ihnen beteiligt. Ich wünsche mir, dass ich mich mit Ihnen, Epikur und Salomo auf einer Seite unterhalten kann.

    2.zum Inhalt:
    Epikur mochte den Konjunktiv II sicher auch nicht, denn er ist nicht deutlich.
    Ich beobachte bei mir selber, dass ich zunehmend diese unpräzise Höflichkeitssprache verwende – und dabei mindestens so oft falsch verstanden werden wie bei sachlich-direkter Sprache.
    Im ersten Fall wird mein Wunsch überhört, im zweiten Fall die “Aussage” als “Ansage” mißverstanden.

    Mißverständnisse = Ärger gibt es also sowieso – da kann ich auch deutlich formulieren.

    3. zu weiteren Themen im bloq:
    Was ist Höflichkeit? Ist auf der Arbeit Sachlichkeit schon Höflichkeit? Welche Rolle spielt dabei die Wertschätzung? Reicht dann Sachlichkeit aus? Oder führt sie zu neuen Mißverständnissen? Was nutze ich statt Konjunktiv II, um meinem Gegenüber meine Wertschätzung zu vermitteln?

    4. zum Wochenende: alles Gute!

    Ich hoffe, das war sachlich, höflich und deutlich.

    :-) Andreas Lehmann

  3. Ralf Lengen | Mrz 30, 2009 | Reply

    Lieber Herr Lehmann,

    Sie sind sachlich, höflich und deutlich – und ich bin spät dran mit meiner Antwort.

    Sie haben Recht: Missverständnisse gibt es sowieso, dann lieber gleich im Indikativ!

    Die von Ihnen angesprochene Wertschätzung gefällt mir natürlich gut. In der gesprochenen Sprache drückt man sie durch den Tonfall aus – und durch das Zuhören.

    Da verweise ich tatsächlich auf unseren Salomoblog: http://salomo.de/blog/allgemein/3/ein_hoerendes_herz.html

    Und schon sind wir bei Ihrem ersten Punkt: Ja, es ist umständlich, mehrere Blogs gleichzeitig anzubieten. Aber in diesem Fall haben wir uns dazu entschieden, jeweils einen Fokus zu setzen. Das wäre mit einem Blog allein leider nicht möglich.

    Wie ich sehe, bleiben Sie uns ja dennoch verbunden. Das freut mich sehr, lieber Herr Lehmann!

  4. info | Aug 20, 2017 | Reply

    Servus Leute was meint ihr zu der Idee eine TALK SHOW als Werbung zu benutzen ??
    Auf der folgenden Youtube Website kannst du die WERBE-TALKSHOW sehen, die man als Imagefilm übernehmen kann wenn man bei einer Talkshow selbst mitmacht. Ich werde mit Sicherheit es auszuprobieren !!!
    Link : https://www.youtube.com/watch?v=Zd8wnnQ-7A8

Post a Comment