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Dezember 7, 2009

Gut nicht gebrüllt, Löwe: Warum Schweigen mitunter die beste Reaktion auf Kritik ist

Wo Meinungen geäußert werden, provozieren diese Gegenmeinungen. In den weitgehend subjektiv geführten Debatten der Blogosphäre entwickelt sich darum so manche Privatfehde – nicht selten mit juristischem Nachspiel. Wie man souverän auf Kritik reagiert, die man selbst für unsachlich hält, hat nun der Journalist Stefan Niggemeier vorgemacht: gar nicht.

In einem Interview mit dem Medienmagazin “Journalist” antwortete Niggemeier unlängst auf die Frage, wie viel Kritik man einstecken muss:

“Man muss das nicht alles hinnehmen, aber es ist auch nicht hilfreich, sich über alles aufzuregen. Wenn sich […] irgendwelche Leute auf mich eingeschossen haben […], kann die richtige Reaktion auch sein, das zu ignorieren.”

Dieses Ignorieren bedeutet nicht, dass man vor der Kritik den Schwanz ein- und sich stillschweigend aus der Affäre zieht. Im Sinne von Watzlawicks Axoim, “Man kann nicht nicht kommunizieren”, vermittelt auch das demonstrative Nichtssagen eine Botschaft. Zum Beispiel die Botschaft, dass einem eine Schmähung nicht sachlich oder nicht wichtig genug ist, um sich dazu zu äußern. Und das bewahrt einen unter Umständen vor unangenehmen Verstrickungen.

Blog dir deine Meinung

Der Hintergrund: Stefan Niggemeier beschäftigt sich in seiner Arbeit bevorzugt mit Nachlässigkeiten und Schlampereien im Journalismus – unter anderem in seinem eigenen und im Bildblog. Damit ist er so etwas wie der natürliche Feind des “Bild”-Chefredakteurs Kai Diekmann, dessen Zeitung sich in der Vergangenheit wiederholt Rügen des deutschen Presserates eingehandelt hat.

Seit etwas mehr als einem Monat betätigt sich Diekmann selbst als Blogger – und hat sich dabei schon einigen juristischen Ärger eingehandelt. In seinen Beiträgen setzt sich Diekmann gerne mal mit solchen Personen auseinander, die in der Vergangenheit “Bild”-kritisch in Erscheinung getreten sind. Bislang traf das unter anderem den “taz”-Anwalt und Diekmann-Intimfeind Jony Eisenberg, den “Berliner-Zeitung”-Redakteur Christian Brommerius und Bild-Abmahnerin Heidi Klum.

Dabei versteht es der geschickte Rhetoriker Diekmann immer wieder, seine Gegenspieler zu Reaktionen zu provozieren, die sie am Ende dumm aussehen lassen. Denn auch wenn die Klagen in der Regel zugunsten der anderen ausfallen, stehen die doch am Ende als humorlose Spielverderber und juristische Kleinkrämer da. Sieger nach Punkten: Diekmann.

Stell’ dir vor, es ist Blog und keiner sieht hin

Nicht weiter verwunderlich ist es, dass im Zuge des Diekmann’schen Rundumbloggens auch Niggemeier vor kurzem sein Fett wegbekam: Der Bildchef frotzelte über einen seiner Ansicht nach veralteten Link im Bildblog und legte kurz darauf nach, als er sich beschwerte, dass Niggemeier ihn nicht als Laudator bei der Preisverleihung zum Hans-Bausch-Preis akzeptierte.

Niggemeier reagierte wie gesagt anders als die zuvor Erwähnten, nämlich gar nicht. Seine Entgegnung blieb bislang aus – in den Kommentaren, in seinen Blogs und auch in Form juristischer Schritte. Ergebnis: Niggemeier tappte nicht die Spielverderber-Falle, sondern präsentierte sich als der Klügere, der nachgibt. Dadurch scheint Kritiker Diekmann vorerst die Lust an einer weiteren Konfrontation verloren zu haben: Bislang folgten keine weiteren Statements über den Bildblogger.

Um es klar zu sagen: Nichts zu sagen ist sicherlich nicht in jedem Fall die beste aller Lösungen. Für Unternehmen kann es essentiell sein, auf Kritik am Unternehmen oder an Produkten zu reagieren – in sachlicher und angemessener Form. Das Schweigen kann aber ein wirkungsvolles Stilmittel sein, insbesondere in einer vernetzten Welt, in der sich im Grunde jeder zu allem äußern kann.

Neu ist das Prinzip “Klappe zu” nicht: “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold”, sagt der Volkmund. Und bei Salomo heißt es: “Wer seine Lippen zügelt, handelt klug” (Sprüche 10,19). In diesem Sinne: Klug gezügelt, Herr Niggemeier!

1 Comment(s)

  1. maiertext | Dez 28, 2009 | Reply

    Vielsagendes Schweigen statt nichtssagendem Gerede: Ein aussagestarker Artikel in Zeiten inflationären Gewäschs! Danke dafür. :-)

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