Blog der unique relations GmbH

Agentur für Kommunikation mit Geist, Witz und Salomo

März 22, 2010

Interviews zensieren ist doof. Fotos zensieren auch.

Interviews zensieren kommt bei Journalisten nicht gut an. Das hat mein Kollege Arne Wellding hier bereits gezeigt.

Dass dasselbe auch für Fotos gilt, kann man der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins entnehmen.

In dem Artikel “Die Frau von der man spricht” ist auf der zweiten Seite ein Foto zu sehen oder besser nicht zu sehen. Denn in dem ca. 14 x 10 cm großen Kasten ist nur folgendes zu lesen:

“Los Angeles, Beverly Hills Hotel, vier Tage vor der Oscar-Verleihung: Patricia Riekel, die Chefredakteurin der ‘Bunten’, lehnt mit dem Ellenbogen auf dem Balkongeländer und blickt hinab auf die palmengesäumte Allee. Fur unseren Fotografen hat sie sich Zeit genommen. Leider hat sie uns dann untersagt, dieses Foto zu veröffentlichen.”

Schlägt man die Seite um, wird man überrascht von einer leeren Seite, in der auf sechs kurzen Zeilen folgender Text zu lesen ist:

“Patricia Riekel, wieder in ihrem Hotel. Sie sitzt in der Lobby, auf den Knien ihr Laptop, draußen vor der großen Fensterfront biegen sich die Palmen. Auch dieses Foto darf leider nicht erscheinen.”

Zunächst einmal: Man kann Frau Riekel verstehen. Sie will natürlich nicht in einem schlechten Licht erscheinen. Wer will das schon? Im ZEITmagazin heißt es:

“In einem Fax an das ZEITmagazin schreibt sie, sie habe den Eindruck, dass das Porträt eine “tendenzielle Richtung” bekomme. Deshalb sind die Fotos von Serge Hoeltschi hier nicht zu sehen, und im Text fehlt die wörtliche Rede.”

Okay, kann man verstehen, aber wieder auch nicht. Denn was soll die Redaktion jetzt mit dem Artikel anfangen? Dummerweise (für Frau Riekel) kommt sie auf die Idee, dieses Verbot zu thematisieren.

Und was meinen Sie? Die Fotos, die Frau Riekel verboten hat zu publizieren, können doch niemals so schlecht sein wie die Leerstellen inkl. Kommentar, oder?

Sie sehen: Es lohnt sich nicht, sich über Gebühr anzustellen. Seien Sie großzügig, was Ihre Fotos angeht.

Ach ja, hier auch die Online-Version des Artikels, zum Glück für Frau Riekel nicht so drastisch: Hier gibt es keine Leerstellen mit Kommentar. Aber das Fotoverbot wird auch hier zur Sprache gebracht.

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